Reiserückblick - Teil 2 | 6 Monate Reise

(Ein Blick hinter die Kulissen)

 

Wie ging es nun weiter. Die ersten negativen Gefühle auf Reisen sind in Erscheinung getreten. Wie sind wir damit umgegangen?
Hier nun der 2te Teil unseres Reiserückblickes nach 6 Monaten auf Reise.
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Hattet ihr Kontakt zu euren Familien und Freunden in Deutschland?

Wir sind bereits 10 Wochen von Deutschland weg als mich zum erstem Mal dieses Gefühl eingeholt hat. Heimweh hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich. Wir telefonierten regelmäßig mit unseren Familien, was „Fluch und Segen“ gleichzeitig bedeutet. So toll und einfach es heutzutage mit FaceTime oder Skype auch ist, es ist auch schwieriger mit seinen Gefühlen der Sehnsucht oder des Heimwehs klar zu kommen. 

Meine Erkenntnis daraus:
Aus den Augen aus dem Sinn, macht es mir leichter. 

Hattet ihr gar kein Heimweh?

Oh doch. Wie bereits geschrieben. Telefonierten wir regelmäßig mit unseren Familien. Es ist so schön vom anderen Ende der Welt das Gefühl zu haben, für einen Moment ihnen Nahe zu sein. Vertraute Stimmen zu hören und dennoch löst es immer etwas Wehmut und Sehnsucht in einem aus. Mal mehr, mal weniger.

Wie war das mit euren Freunden auf Bali?

Ja, unsere lieben Freunde Aika und Maik, mit ihrer kleinen 11 Monate alten Tochter Heidi, kamen uns auf Bali besuchen. Wir lebten 2 Wochen zusammen in einer tollen großen Villa in Canggu und reisten gemeinsam für eine Woche weiter nach Ubud. Eine unglaublich tolle und intensive Zeit. Vertraute Gespräche, liebevolle Menschen und nach 10 Wochen des „alleine Reisens“ eine tolle Abwechslung.

Habt ihr auf der Reise auch neue Leute kennen gelernt?

Aber natürlich. Wir sind sehr offene und kommunikative Menschen und haben viele tolle Menschen und Familien auf unserer Reise kennen gelernt. Es ist immer wieder schön sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen und die Freude des Reisens zu teilen. Leider ist diese Zeit immer sehr begrenzt, denn für einen von Beiden geht die Reise immer weiter. 

So auch im Juni, als wir Anne und Sebi von "Reisefroh" in Ubud verabschiedeten. Ihre Weltreise wurde für ein paar Monate unterbrochen, denn neue Projekte standen an und so flogen sie nach Deutschland zurück.

Auf meine Frage hin, ob Anne sich freute nach Deutschland zu fliegen, standen ihr die Tränen in den Augen. Sie wollte noch nicht nach Deutschland zurück. 

Gleichzeitig spürte ich zum ersten Mal das Gefühl: ⇒ wie es wäre, wenn ich jetzt nach Deutschland, für eine begrenzte fliegen könnte. Würde ich mich freuen? Ja / Nein? Ganz klar JA!

Hoppla, was ist denn da in meinem Kopf los?!?!?!? Schnell den Gedanken wegschieben. „Hallo, wir sind gerade mal 12 Wochen unterwegs und du würdest dich auf Deutschland bzw. die Familie freuen?“ Schnell in die Verdrängungsschublade geschoben. Solche Gedanken nicht zulassen!

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Ein Karussell voller Gedanken die in dir Aufkamen?!

Oh ja. Immer häufiger sprach Leni von Oma und ihren Freundinnen. Die ständigen Unterkunftswechsel, ‹ Zwischenzeitlich 12 Unterkünfte in 14 Wochen › nervten mich. Tolle Ereignisse in der Familie und bei Freunde die sich ereignet hatten und ich konnte nicht da sein, und ein paar Bürokratische unangenehme Dinge die sich angehäuft hatten, bereiteten mir ein mega Gedankenkarussell voller Heimweh.

Immer öfters, hatte ich das Gefühl, nicht ständig aus dem Koffer leben zu wollen, Sondern einfach mal länger an einem Ort zu bleiben. Sich etwas einrichten und ankommen. Alles kam irgendwie zusammen.

Ihr habt euch doch für 4 Wochen eine Unterkunft in Ubud gemietet?

Das haben wir. Bis dahin haben wir unzählige Unterkünfte angeschaut und immer fand ich ein Haar in der Suppe. Ich merkte eine latente Unzufriedenheit und das immer wieder aufkommende Gefühl von „ich brauche einen Break“, „ich mag nicht mehr.“

Ein paar Mal telefonierte ich mit meiner Mama, der ich natürlich von meinem Gefühlschaos erzählte. Sie konnte mich gut verstehen, baute mich gleichzeitig auf und versuchte meine Gedanken wieder auf das Positive zu lenken. Na toll und nun!?

Yellow Flower Penestanan

Wie ging es dann weiter?

Dann kam der Moment der Momente! Ein Zeichen. Wir lagen die erste Nacht in der neuen Unterkunft, die wir für 4 Wochen gemietet hatten. Ich wurde morgens um 4 Uhr wach, denn irgendetwas oder irgendwer krabbelte über die dünne Rigips Decke und ließ mich nicht mehr einschlafen. Dann kam der kleine Mann in meinem Kopf und fragte mich:“ Wieso fliegst du nicht für 2 Wochen alleine nach Deutschland?“ Diese Frage fühlte sich nach langem mal wieder richtig gut und ehrlich an. In der restlichen Nacht fing ich sofort an mir viele Gedanken darüber zu machen. Wann würde ich fliegen. Alleine oder wir drei? Was gibt es alles zu erledigen? Wie wird die Familie reagieren? Am nächsten Morgen, hatte ich sofort das Gespräch mit Holger gesucht. Ich war auf seine Reaktion sehr gespannt, ihm von meinem Urlaub in Deutschland oder anders gesagt „Reiseunterbrechung“ zu erzählen.
Er reagierte total positiv: “Mach das! Wenn DU es willst, dann fliege nach Deutschland.“
Ich war so glücklich über seine Reaktion.

Bist du dann ganz alleine geflogen?

Nein, wir haben viele, viele Stunden hin und her überlegt, ob wir zu dritt oder zu zwei oder ich alleine fliege. Hin und her, Richtig oder Falsch. Wie reagieren Familie und Freunde. Wann ist beste Zeitpunkt? Nach langem hin und her entschieden wir uns GEMEINSAM, dass ich zusammen mit Leni nach Deutschland fliege. 

Kurze Erklärung: Holger fühlte sich im Flow. Klar, hätte er sich riesig gefreut Familie und Freunde wiederzusehen. Aber wieder einen Abschied wie im März und wieder von vorne in den Reisealltag einfinden, fühlte sich für ihn nicht gut an. Somit nutze er die Zeit für sich, arbeitete fleißig an unseren YouTube Videos und unserer Internetseite. So war schnell klar, dass es besser ist, wenn ich Leni mit nach Deutschland nehme.

Wann seid ihr dann geflogen?

Ab diesem Moment atmete ich deutlich auf. Meine Freude kam wieder zurück und die Vorfreude auf meine Familie und Freunde stieg von Stunde zu Stunde. Da es bereits Juli war und der nächste Besuch unserer Freunde für Anfang August anstand, war schnell klar, am besten so schnell wie möglich fliegen. So buchte ich keine 24 Stunden nach meiner unruhigen Nacht einen Flug für Leni und mich und weitere 24 Stunden später saßen wir bereits im Flugzeug Richtung München. Unglaublich, dass ging alles Schlag auf Schlag und es fühlte sich richtig an.

Wie haben eure Familien auf die Rückkehr reagiert?

Zuerst möchte ich erwähnen, dass wir keinem ‹außer dem Lebensgefährten von meiner Mama der uns am Flughafen abgeholt hat›, von unserem Urlaub in Deutschland erzählten. Erstens ging alles viel zu schnell, zweitens wollte ich erst mal Ankommen und zur Ruhe finden und drittens freute ich mich auf die überraschten Gesichter meiner Liebsten. Die Zeit in Deutschland mit Familie und Freunde war wirklich schön. Schon nach einer Woche merkte ich deutlich, wie sehr ich wieder zurück wollte, zurück in mein NEUES LEBEN zu meinem Mann nach Bali. Ein wirklich schönes Gefühl der Sehnsucht. Ich hatte die Chance intensiv genutzt und mich nochmal ganz Bewusst von Familie und Freunden verabschiedet. Ich bin definitiv mit einem anderen Gefühl geflogen als im März.

Bali Rollerspiegelbild

Hat sich durch die Reise dein Blickwinkel verändert?

Das hat er. Ich habe mich wie gesagt, viel bewusster verabschiedet. Habe beschlossen von Zeit zu Zeit mit der Familie Kontakt aufzunehmen und möchte in Zukunft länger an einem Ort bleiben. Jetzt in diesem Moment sind wir immer noch auf Bali. Hier haben wir uns für 2,5 Monate eine Unterkunft direkt bei einer balinesischen Familie, in der wir bereits im Juni gewohnt hatten, gemietet. Hier haben wir uns richtig toll eingerichtet. Und bringen so was wie einen Alltag in unser Leben. Es fühlt sich gerade richtig gut an. Schon in ein paar Tagen werden wir Bali verlassen. Wir hatten eine unglaublich intensive Zeit, voller schöner Momente und Erlebnisse. Mein großer Traum einmal länger auf Bali zu leben ging in Erfüllung. Viele Erkenntnisse haben mein gesamtes Lebensbild verändert. Neue Gefühle die ich nicht kannte →wie Heimweh← kamen in mir hoch. Und gleichzeitig ist es die beste Entscheidung meines/unseres Lebens gewesen, die wir zu keinem Zeitpunkt bereuen.

Vielen Dank für Dein Interesse an unserem Rückblick der letzten 6 Monate.

Sonnige Grüße aus Bali
Eure Sabrina